Facebook liefert 300 Millionen XMPP-Adressen
ICQ ist pöse. Warum? Nun ja, es ist proprietär, die Nutzungsbedingungen sind recht fragwürdig und auch sonst funktioniert es eigentlich nie so, wie man es denn gerne hätte. Dateiversand ahoi!
Aber wie das Leben so ist, kommt man einfach nicht drum herum. Zum Glück hat ja schließlich jeder dort mittlerweile eine Adresse, von den ganz hartnäckigen MSN-only Jüngern mal abgesehen (Pest oder Cholera, anyone?).
Und so unterwarfen sich die Nutzer den proprietären Protokollen. Alle Nutzer? Nein! Eine kleine Gruppe von Geeks leistet nun schon seit Jahren erbitterten Widerstand – oder so ähnlich. Jedenfalls konnte das dritte große Protokoll, XMPP (auch Jabber genannt), nie bis in den Mainstream vordringen, auch wenn es sich unter Linux-Nutzern schon lange großer Beliebtheit erfreut.
Einer der geschätzten Vorteile gegenüber MSN und ICQ ist der dezentrale Aufbau des Jabber-Netzwerks, von dem auch reger Gebrauch gemacht wird. Jeder kann seinen eigenen Server betreiben und sich als „Nummer“ eine E-Mail-ähnliche Adresse erstellen, mit der er zu anderen Jabber-Nutzern Kontakt aufnehmen kann. Auch Unternehmen wie Google oder GMX setzen für ihre eigenen Messenger auf XMPP und sind daher größtenteils kompatibel zur restlichen Jabber-Welt. Im Klartext bedeutet das: Wer dort eine (E-Mail)Adresse sein Eigen nennt, bekommt auch zusätzlich eine Jabber-Adresse untergejubelt. Wie viele potentielle Nutzer also noch gar nichts von ihrem Glück wissen, kann man sich in etwa vorstellen.
Trotz aller Unterstzützung nutzt der 08/15 DAU aber dennoch weiter sein heiß geliebtes (gehasstes?) ICQ/MSN. Wofür auch etwas Neues, wenn sich das Alte über Jahre bewährt hat? Mal ganz davon abgesehen, ist die Freundesliste sowieso nahezu vollständig.
Ein wichtiger Punkt: Die Nutzerbasis
Ein Messenger ohne Kontakte macht wenig Sinn – daran ändern auch Google oder GMX absolut nichts. Facebook könnte allerdings, um mal zum Punkt zu kommen, diese Nutzerbasis liefern. 300 Millionen registrierte Nutzer, die prinzipbedingt das Portal intensiv nutzen, sind jedenfalls eine beeindruckende Zahl. Einen internen Chat gibt es immerhin schon über ein Jahr und die Öffnung des Dienstes per XMPP steht kurz bevor. Das könnte der Durchbruch sein!
Mich würde es jedenfalls wundern, wenn Facebook keine saubere Jabber Implementierung liefern würde. In der Vergangenheit haben sie schließlich schon gezeigt, dass sie gewillt sind, neue Technologien zu fördern und voranzutreiben (z.B. OpenID).
Die Schattenseite ist allerdings nicht zu übersehen: Der überwiegende Teil der Jabber-Nutzer wird sich wahrscheinlich früher oder später an Facebook binden. Die Freiheit, einfach einen anderen Server zu nutzen, würde natürlich bestehen bleiben – die Server-Vielfalt wie wir sie heute kennen, würde sich aber wohl komplett wandeln und neu verlagern, nicht zuletzt zugunsten von Facebook.
Aber hey, zu meckern gibt’s immer irgendwas ;)

TL;DR
… sagte jemand, der keinen Content in seinem Blog hatte :p
Na, sowas freut einen natürlich. :-) Mal sehen wann die VZler nachziehen ;)
Hm, irgendwie kommt es mir so vor, als ob im Grunde schon alles auf XMPP umgestellt wurde. Man kann sich jedenfalls mit dem Facebook-Plugin für Pidgin schon lange parallel anmelden, was vor ein paar Monaten definitiv noch nicht ging. Hoffentlich öffnen die es auch wirklich :(